Mit einem 6 Eckpunkte-Papier „Prison Health is Public Health“ setzt die Initiative „Gesundheit in Haft“ einen dringend nötigen Impuls in Richtung Politik zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung drogenabhängiger Inhaftierter. Dieses Positionspapier hat auch der fdr+ unterzeichnet.

Unser Ziel ist es, im Schulterschluss mit der Politik, die Verfügbarkeit und Durchführungsbedingungen moderner Suchtmedizin in Haft zu verbessern, denn:
Die gesundheitliche Versorgung von insbesondere drogenabhängigen Inhaftierten bedarf dringender Verbesserungen. Etwa 22 bis 30 Prozent der Inhaftierten in Deutschland injizieren Drogen. Doch obwohl in Form der Substitutionstherapie eine wirksame Behandlung möglich wäre, wird ein großer Teil opioidabhängiger Inhaftierter suchtmedizinisch noch nicht ausreichend versorgt. Aktuell erhalten nur rund 10 Prozent von ihnen eine Substitution. Hinzu kommen hohe Infektionsrisiken für HIV und das Hepatitis C-Virus.
Mit dem 6 Eckpunkte-Papier sollen mögliche Lösungen für die darin aufgezeigten Probleme benannt werden. Best Practices aus einzelnen Bundesländern, Kommunen oder aus dem Suchthilfesystem zeigen erfolgreiche Ansätze für eine konsequentere Umsetzung des Äquivalenzprinzips in Haft. Nach dem Äquivalenzprinzip sollte die medizinische Versorgung in Haft – für die die Justizministerien zuständig sind – grundsätzlich gleichwertig zu der der gesetzlichen Krankenversicherung in Freiheit sein. Nachhaltige Verbesserungen der gesundheitlichen Versorgung von inhaftierten Drogenkonsument*innen sind aus Sicht aller Unterzeichner*innen daher nur durch den Schulterschluss und den offenen Dialog aller Beteiligten – über Ländergrenzen hinweg – zu erreichen. Das 6 Eckpunkte-Papier adressiert aus diesem Grund einen breiten Kreis in der Politik, auf Bundes- und Länderebene sowie in den Gesundheits-und Justizressorts und bindet auch ärztliche Gremien, wie Kassenärztliche Vereinigungen der Länder und Landesärztekammern, ein.

Die sechs Eckpunkte im Überblick

Herausforderung – Problemlösung
1. Inhaftierte werden gesundheitlich benachteiligt à Umsetzung des Äquivalenzprinzips
2. Nichtbehandlung schadet auf mehreren Ebenen à Erhöhung der Behandlungsquoten in Haft
3. Todesfälle nach Haftentlassung à Sicherung des Überleben durch bruchlose Anschlussbehandlung in Freiheit
4. Drogenabhängige Menschen stehen am Rand der Gesellschaft à Abbau von Stigmatisierungen
5. Suchtkranke Menschen brauchen fachkundige Hilfe à Qualifizierung und bessere Vernetzung
6. Unterschiedliche Bedingungen in den Bundesländern à Transparenz und Austausch von Best Practice

Das vollständige 6 Eckpunkte-Papier „Prison Health is Public Health“ steht hier zum Download bereit.