Selbsthilfe – Ehrenamt – Bürgerliches Engagement

p

Ehrenamt findet

  • freiwillig (in Abgrenzung von der Erwerbstätigkeit)
  • und unentgeltlich (im Gegensatz zur bezahlten Arbeit)
  • für andere (in Abgrenzung zur Selbsthilfe, die eigenbezogen ist),
  • in einem organisatorischen Rahmen (in Abgrenzung zur individuellen und spontanen Hilfeleistung in Familie und Nachbarschaft)
  • und möglichst kontinuierlich (in Abgrenzung zu einmaliger und kurzfristiger Hilfe) statt.

Unentgeltliches freiwilliges Engagement wird traditionell mit dem Begriff „Ehrenamt“ bezeichnet. Dahinter steht meist die Idee der organisierten, unentgeltlichen Mitarbeit in Verbänden oder vereinen, in Kirchen, Gewerkschaften oder Parteien. Grundlage der ehrenamtlichen Tätigkeit ist die Mitgliedschaft in diesen Organisationen und die Identifikation mit ihren Zielen und Werten. Die Mitgliedschaft geht häufig auf die Verwurzelung in traditionellen und milieugebundenen Strukturen zurück. Dieser Form der Ehrenamtlichkeit stehen die jüngeren Entwicklungen der Selbsthilfebewegung und der Bürgerinitiativen gegenüber, die durch relative Autonomie, Offenheit und Unbestimmtheit gekennzeichnet sind. In den letzten Jahren sind allerdings die Grenzen zwischen den verschiedenen Formen ehrenamtlichen Engagements durchlässiger geworden. Auch die großen Verbände und Organisationen suchen und erproben neue Wege und Konzepte im Umgang mit den Ehrenamtlichen.

Selbsthilfe

Unter dem Stichwort „Selbsthilfe“ entwickelte sich Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre eine eher organisationsferne Form des Engagements, in der ein neues autoritäts- und expertenskeptisches sowie meist wertepluralistisches Selbstbewusstsein moderner Milieus zum Ausdruck kam.
Bezeichnend war die bewusste Abgrenzung vom traditionell an Vereine, Verbände und staatliche Institutionen gebundenen Ehrenamts. Inzwischen ist die Selbsthilfe weithin anerkannt und auch institutionalisiert (z.B. in Form der Selbsthilfekontaktstellen). In der aktuellen Diskussion wird Selbsthilfe oft als eine Form des Engagements gewertet, bei der Eigen- und Fremdhilfe mit unterschiedlichen Gewichtungen im Vordergrund stehen kann.
Dem steht die Tradition der Suchtselbsthilfe entgegen, die – über viele Jahrzehnte erprobt – sich als Teil eines Systems begreift und ihre Organisationsferne in vielen Fällen verloren hat.

Bürgerschaftliches Engagement

„Bürgerschaftliches Engagement“ umschreibt die Wiederbelebung der Idee einer Gemeinwohlorientierung, die durch Selbstverpflichtung und praktische Solidarität gekennzeichnet ist. Die Wurzeln dieser Idee liegen in der bürgerlichen kommunalen Selbstverwaltung, aber auch in der philanthropischen Tradition und dem bürgerlichen Wohltätigkeitsgedanken des 19. Jahrhunderts. Bürgerschaftliches Engagement kommt „von unten“ und speist sich aus der demokratischen Verantwortung für den unmittelbaren, öffentlichen Lebensraum, der Hinwendung zum Machbaren im Kleinen jedoch in der Hoffnung auf vielfältige Nachahmung.

Freiwilligenarbeit

Mit der Bezeichnung „Freiwilligenarbeit“ wird ein schwächer formalisiertes, weniger wertgebundenes Engagement umschrieben. Seine Ausübung ist relativ unabhängig von sozialen Milieus und stark auf individualisierte, eher spontan handelnde Menschen zugeschnitten, vor allem auf solche, die nicht von klein auf in Vereine, Verbände und traditionelle Wertgemeinschaften eingebunden waren. Freiwilligenarbeit gilt auch als Möglichkeit für diejenigen, die sich keiner spezifischen Idee oder Botschaft anschließen wollen, sondern aus vielen, oft sehr persönlichen Gründen etwas tun möchten: Hilfe auf Gegenseitigkeit für sich und andere, in einer Gruppe oder alleine. Freiwilligenarbeit hat als besondere Form der Ehrenamtlichkeit inzwischen auch Eingang in die bisher eher dem traditionellen Ehrenamt verpflichteten Organisationen gefunden.