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10. Workshop „Sucht und häusliche Gewalt“ am 23.09.2019 in Potsdam

 

 

Am 23. September 2019 veranstaltete der Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V. gemeinsam mit dem Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser e.V. den 10.Tagesworkshop zum Thema „Sucht und häusliche Gewalt“. 60 ehren- und hauptamtliche Fachkräfte aus den Arbeitsfeldern des Frauenschutzes, der Suchthilfe, aber auch anderen Wohnprojekten, Jobcentern und Gesundheitsämtern nahmen an dieser Veranstaltung teil. Neben Vorträgen von Katrin Beckmann von FrauSuchtZukunft e.V. und Elisabeth Schwarzenberg vom Frauenhaus Cottbus wurden in Arbeitsgruppen die Chancen und Herausforderungen in der Arbeit an der Schnittstelle der Arbeitsfelder beleuchtet und diskutiert. Gefördert wurde der Workshop von der Landesgleichstellungsbeauftragten des Landes Brandenburg, Monika von der Lippe.

Schwerpunktthema des diesjährigen Workshops war:

„Ausschluss von Frauen mit Suchtproblematik in z.B. Frauenhäusern, betreutem Wohnen etc. – Was braucht es an Strukturen und Kooperationen, um Ausschlüsse zu vermeiden?“

Die Schnittmenge der Frauen, die häusliche Gewalt erleiden und eine Suchtproblematik haben, ist groß. Viele Frauen greifen zur Kompensation der erlittenen Situation zu Suchtmitteln, was nachvollziehbar, aber keine Lösung ist. Wenn sie sich aus der Gewaltsituation befreien wollen, brauchen sie Raum und Ansprechpartnerinnen für beide Themen. Einrichtungen der Suchthilfe vernachlässigen häufig das Gewaltthema und das Schutzbedürfnis der Frauen, in Frauenhäusern und anderen Wohnformen findet die Suchtproblematik oft keinen Raum bzw. ist Ausschlusskriterium für eine Aufnahme. Betroffene Frauen wissen dies und versuchen daher ihre Suchtproblematik zu verheimlichen. Dadurch werden Chancen vertan. Die Gründe für die Trennung beider Themen in Facheinrichtungen sind vielfältig: Mangelnde Personalressourcen, Sicherheitsaspekte, räumliche oder fachliche Überforderung. Ziel sollte es sein, dass betroffene Frauen über beide Themen offen und vertrauensvoll reden können, um adäquate Hilfe, Beratung und Behandlung zu finden. Dazu bieten sich Kooperationen z.B. zwischen Frauenhäusern, Suchtberatungsstellen und Suchtkliniken an. In diesem Vernetzungsworkshop wurden viele Fragen zu diesen Themen diskutiert, die jeweiligen Kompetenzen der beiden Arbeitsfelder benannt, Wissenslücken gesehen, Kontakte geknüpft und eine Zusammenarbeit gefördert.

10 Jahre Workshops „Sucht und häusliche Gewalt“ – Netzwerkarbeit auf der Schnittstelle der Arbeitsfelder Suchthilfe und Frauenschutz in Brandenburg

Ausgangssituation 2010 – 2019

Im Juni 2009 hat der Fachverband Drogen und Rauschmittel e.V. (heute: Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V.) mit Unterstützung des MASGF in Brandenburg ein Symposium zum Thema „Alkohol und häusliche Gewalt“ in Potsdam veranstaltet. Ziel war es, eine Bestandsaufnahme des Konsenswissens und notwendigen Wissenstransfers zwischen Suchthilfe, Frauenschutzeinrichtungen, Polizei und Jugendhilfe in Brandenburg vorzunehmen sowie die Grenzen der Arbeitsfelder Suchthilfe und Frauenschutz durchlässiger für Wissenstransfer, Kooperationen und Fortbildungen zu machen. Frauenschutzeinrichtungen und Einrichtungen der Suchthilfe arbeiteten in der Praxis damals weitgehend getrennt, Kooperationspotentiale blieben ungenutzt. Das Symposium hat eine eklatante Lücke in der Versorgung und Hilfestellung für suchtmittelabhängige Frauen in Brandenburg aufgezeigt, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. In Fortsetzung des Symposiums hat der fdr+ seitdem einmal jährlich eintägige gemeinsame moderierte Workshops beider Arbeitsbereiche veranstaltet, weitere Schritte in Richtung Vernetzung und Zusammenarbeit zu gehen. Ziel ist es, sich zum Wohle abhängiger Frauen, die Gewalterfahrungen haben, der Kompetenz des jeweils anderen Arbeitsbereiches zu bedienen und effektiv zusammen zu arbeiten. Ziele der Workshops waren:

Die Teilnehmenden

  • knüpfen Kontakte, bilden Vernetzungen und treffen themenspezifische Verabredungen,
  • bilden sich gegenseitig fort, um Wissens- und Handlungsdefizite zu beseitigen,
  • erheben Bedarfe und finden einen Konsens über gemeinsame zukünftige Vorgehensweisen zum Wohle suchtmittelabhängiger Frauen, die Gewalt ausgesetzt sind.

In den Workshops mit Teilnehmerinnen aus der Suchthilfe, der Suchtprävention und der Sucht-Selbsthilfe, dem Bereich Frauenschutz, aber auch den Kommunen, Wohn- und Frauenprojekten und anderen psychosozialen Einrichtungen wurden viele Bedarfe deutlich, Basiswissen wurde ausgetauscht und Wissen transferiert. Die Struktur der Workshops mit Schwerpunktthemen, die für beide Arbeitsfelder gleichermaßen interessant sind, Impulsreferaten und gemischten Arbeitsgruppen hat sich als sehr effektiv erwiesen. Mit den Workshops wurden regionale Kooperationen und Netzwerke angestoßen, ebenso Hospitationen und gegenseitige Fortbildungen. Es finden regional Co- und Crossberatungen statt sowie gegenseitige fachliche Unterstützung zu den Themen Sucht und Gewalt.

Übersicht der Themen der Workshops 2010-2019

2009 Fachtagung Alkohol und häusliche Gewalt

2010: Kontakt, Kennenlernen, Kooperationsideen

2011: Austausch Basiswissen: Angebote und Arbeitsweise der Brandenburger Suchtberatungsstellen und der Brandenburger Frauenhäuser

2012: „Suchtbelastete Mütter – Schuld und Scham – Vertrauen ermöglichen“ und „Abhängigkeitsstrukturen von Frauen“

2013: „Kinder aus Gewaltfamilien“ und „Kinder aus Suchtfamilien“

2014: „Migrantinnen in Frauenhäusern“ und „Migrantinnen in der Suchthilfe“

2015: „Therapeutische Methoden und Konzepte für Frauen, die Gewalterfahrungen und/oder Suchtprobleme haben“.

2016: „Gewalt – Trauma – Sucht“

2017: „Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Burnoutprophylaxe bei Mitarbeiterinnen in der Suchthilfe und in den Frauenhäusern“

2018: „Umgang mit Frauen, die von Sucht und/oder Gewalt und gleichzeitig von psychischer Erkrankung betroffen sind“

2019: „Ausschluss von Frauen mit Suchtproblematik in z.B. Frauenhäusern, betreutem Wohnen etc. – Was braucht es an Strukturen und Kooperationen, um Ausschlüsse zu vermeiden?“

Tagesworkshop „Sucht & geistige Behinderung“ am 07.08.2019 in Berlin

 

Am 7. August 2019 veranstaltete der Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V. gemeinsam mit dem AWO Bundesverband und dem AWO Bezirksverband Potsdam einen Tagesworkshop zum Thema „Geistige Behinderung und Sucht“. 82 ehren- und hauptamtliche Fachkräfte aus den Arbeitsfeldern der Behindertenhilfe und der Suchthilfe nahmen an dieser Veranstaltung teil. Neben Vorträgen zu aktuellen Projekten und fachlichen Expertisen wurden die Herausforderungen in der Arbeit an der Schnittstelle beleuchtet, das grundsätzliche „Recht auf Konsum“ des Einzelnen thematisiert sowie die Chancen und Grenzen der Selbsthilfe diskutiert.

Dabei wurden folgende Ziele verfolgt:

  • Förderung von Netzwerken, welche die Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung und Suchtproblematik in der Gesellschaft stärken
  • Gegenseitiger Wissenstransfer
  • Sensibilisierung für das Thema an der Schnittstelle zwischen den Arbeitsfeldern
  • Anstoß regionaler Kooperationen und Projekte mit dem langfristigen Ziel, auch Sucht-Selbsthilfegruppen als Angebot zu verankern

Die uns vorliegenden Beiträge zum Tagesworkshop stellen wir Ihnen gern zur Verfügung:

Vortrag 1: Bundesmodellprojekt „Geistige Behinderung und problematischer Substanzkonsum“, Thomas Abel, aktionberatung-einfach.gut.beraten. Wiesbaden

Vortrag 2: „Suchttherapie bei Menschen mit Beeinträchtigung“, Susanne Funke, Fachklinik Oldenburger Land

Vortrag 3: „Begleitung von Menschen bei Sucht- und geistiger Beeinträchtigung – Selbsthilfe als Weg!“, Petra Nachtigal, Gesundheitsamt Bremen und Sabine Bütow, Netzwerk Selbsthilfe e.V. Bremen

Workshop 1: „Recht auf Sucht? Selbstbestimmter Umgang mit Sucht und Genussmitteln“, Wolfgang Beine, v. Bodelschwingsche Stiftung, a.D. Bielefeld

Eind detaillierte Tagungsdokumentation stellen wir Ihnen hier gern zur Verfügung.

Das vollständige Programm zum Nachlesen.

fdr+Fachtagung
„YOUNG – FREE – DIFFERENT. Neue Chancen für die junge Suchtselbsthilfe“
Termin: 27. OKTOBER 2018, 10:00 Uhr – 16:00 Uhr
Ort: Hotel Aquino/Tagungszentrum, Hannoversche Str. 5b, 10115 Berlin

 

Wie muss Suchtselbsthilfe sein, damit sie auch für junge Menschen attraktiv ist und von den nächsten Generationen genutzt wird?
Am 27. Oktober 2018 veranstaltete der Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V. in Kooperation mit dem Deutscher Caritasverband e.V. und dem AWO Bezirksverband Potsdam e.V. die Fachtagung „YOUNG-FREE-DIFFERENT, Neue Chancen für die junge Suchtselbsthilfe“ in Berlin. Gefördert wurde die Veranstaltung von der Suchthilfestiftung e.V.
Am Vormittag wurde in einem Vortrag von Miriam Walther/Nakos Berlin die Frage gestellt „Was brauchen junge kranke Menschen?“ Sie brachte dazu ihre Erfahrungen aus Selbsthilfe auch jenseits des Suchtthemas ein. (Download: Walther_27.10.18)

In einem weiteren Vortrag stellte Anja Breuer/Stadtrand e.V. Berlin die Ergebnisse einer Onlinebefragung „Junge Selbsthilfe“ vor, aus denen sich viele Aspekte auf die Sucht-Selbsthilfe übertragen lassen. (Download: Breuer_FT Junge Selbsthilfe 27.10.18)

Es folgten sechs Kurzvorträge von Sucht-Selbsthilfegruppen und – projekten, die mit ihren Konzepten und Angeboten junge Leute erreichen. Der Nachmittag der Tagung stand im Zeichen „Markt der Möglichkeiten“, bei dem elf Sucht-Selbsthilfegruppen und –projekte im Sinne von „best practise“ Auskunft darüber gaben, wie sie junge Leute erreichen und was das Besondere ihrer Angebote ist. Moderiert wurde der Markt als Speed-Dating, bei dem alle Teilnehmer*innen mit ihrer Kleingruppe jeden Stand zeitlich befristet besuchten. Am Ende der Veranstaltung gab es ein kurzes Fazit im Plenum.

Die Ergebnisse der Fachtagung, an der 90 Vertret*innen der Suchtprävention, -hilfe und -selbsthilfe teilnahmen, lassen sich wiefolgt zusammenfassen:

  • Junge Menschen profitieren von der Selbsthilfe, nur zum Teil in anderer Form.
  • Sie wünschen sich den Dialog zwischen den Generationen in der Selbsthilfe und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.
  • Gleichzeitig brauchen sie eigene Freiräume mit „coolen“ Namen und Flyern für ihre Gruppen, mit flexiblem Setting, gemeinsamen Aktivitäten und eigenen Themen oder auch Gruppen auf Zeit. Themenübergreifende oder auch altersspezifische Gruppen sind hilfreich.
  • Sie wünschen sich ein anderes Image für die Selbsthilfe: „Mehr als ein Stuhlkreis“ und keine Angst vor Stigmatisierung.
  • Aber auch altersgemischte Gruppen funktionieren, wenn die Haltung stimmt und Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Lebensmustern und –erfahrungen, anderen Konsumstoffen und –mustern bestehen und wenn Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet.
  • Junge Menschen wollen mitreden in der Sucht-Selbsthilfe in Verbänden, Vereinen und Ausschüssen. Dazu müssen sie ernst genommen werden mit ihren Bedürfnissen und Anliegen, die manchmal anders sind als die der traditionellen Sucht-Selbsthilfe.

Den Flyer zur fdr+Fachtagung (zum Nachlesen) finden Sie hier: 181027 Flyer_FT_Young-Free-Different